Zauber der Tapeten

Vom Zauber der Tapeten

Vom Zauber der Tapeten








Vom Zauber der Tapeten








Vom Zauber der Tapeten

In allen Kulturen und zu allen Zeiten haben Menschen „die eigenen vier Wände“ dekoriert, verkleidet und geschmückt. Somit ist die Wandgestaltung, der Wandschmuck so alt wie die Menschheit selbst. Die Ursprünge der heutigen Tapete (griech. tapes = Decke, Teppich) liegen im Orient, wo Gobelins einst die Wände geschmückt und verkleidet hatten. Später wurde die ursprüngliche Wandbekleidung, wie beispielsweise die Wandteppiche bzw. Wandbehänge aus Stoff, Leder und Holz, aus Kostengründen durch Papier ersetzt. Durch den ökonomischen Wandel und durch die Industrialisierung ist die Tapete (Papiertapete) aus den Räumlichkeiten der Menschen kaum noch wegzudenken. Sie assoziiert teils ein Gefühl von Behaglichkeit und Wärme und vermittelt uns einen Eindruck von der Persönlichkeit der Bewohner, da aufgrund der erhältlichen Motivvielfalt jeder seine Räume nach seinem eigenen Geschmack gestalten kann. Vom Zauber der Tapeten

Gestern und heute erfindet sich die Tapete in den verschiedensten Genres immer wieder aufs Neue. Und so vergänglich und scheinbar nichtig eine Tapete auch sein mag, ist sie doch ein Gegenstand, der sich immer wieder unumgänglich in unser tägliches Leben hineindrängt. Indem man jahrelang unachtsam mit Tapeten umgegangen ist und sie als Bilddokument übersehen, von der Wand heruntergerissen oder zumindest überklebt hatte, ist ein wesentlicher Teil zeitloser Schönheit pietätlos verloren gegangen. Deshalb benutze ich alte Tapeten als ein Dokument der Vergangenheit, um sie in unsere Zeit zu transportieren und vor dem Vergessen zu bewahren.

Die Basis des Konzeptes „Vom Zauber der Tapeten“ bilden neben der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem trivialen Material Tapete eine Recherchearbeit, das Aufstöbern von Tapeten und Tapetenresten in alten Gebäuden, das fotografische Dokumentieren der Tapetenfundorte, das Archivieren der Tapeten in den Musterbüchern sowie die Aufrufe per Tageszeitung um Mithilfe von Bürgerinnen und Bürgern in den Neuen Bundesländern.

Tapeten, deren Herkunft und Geschichte den ökonomischen und technischen Fortschritt, die Umwälzung in der Mode und Kunst sowie die gesellschaftlichen Veränderungen widerspiegeln, präsentiere ich auf der einen Seite als repräsentative Tapetenunikate oder mache diese durch meinen experimentell künstlerischen Eingriff anhand auch von ungewöhnlichen Materialen zugänglich.

Den „wertlosen“ Gebrauchsträger Tapete möchte ich in das Bewusstsein unserer Gesellschaft durch eine Neubetrachtung zurückrufen, indem ich ihn im gedanklichen Prozess hinterfrage, im künstlerischen Werk aufarbeite und nach außen transportiere. Denn die meisten Tapeten sind nicht nur bedrucktes Papier, sondern haben Menschen teilweise ein Leben lang begleitet und erzählen Geschichten der alten Zeit und geben uns Einblick in das „Leben der Anderen“. Vom Zauber der Tapeten

Die Spurensuche und der schöpferische Impuls „Vom Zauber der Tapeten“ und der Ansatz meiner künstlerischen Arbeit mit dieser Thematik ist zwangsläufig auch ein Teil meiner persönlichen Biografie. Rückblickend sehe ich dies in meiner Kindheit begründet, als ich heimlich Tapeten vollgekritzelt habe. Mein Ziel ist es, alte und (fast) vergessene Tapeten, speziell Tapeten aus der DDR-Zeit als repräsentative Unikate entsprechend zu präsentieren bzw. sie über eine entfremdete Darstellung aufzuwerten und diese ihrer eigentlichen Funktion zu entheben. Entscheidend hierbei ist, dass nicht nur das Papier, sondern auch andere Materialien, wie Folie, Garne und Wolle etc. mit den verschiedenen ornamentalen Formen und Objekten bekleidet werden sowie den Wandschmuck neu definieren sollten, aber mit der Bedingung, den deckenden, schützenden und hautähnlichen Charakter der Tapete zu bewahren.

In der Auseinandersetzung mit dem Kultgegenstand „Tapete“ darf der Rückblick bis hin zu den eindrucksvollen Fels- und Höhlenmalereien und zu den Urbedürfnissen des Tätowierens, des Bemalens, der Narbenbildung der Haut mit beschwörenden Zeichen nicht unterbleiben.

Rückblickend in die Vergangenheit und suchend hinblickend in die Kunst der Gegenwart haben immer wieder Künstler bewiesen, wie wichtig ihnen der Umgang mit Tapeten war. Für einige Künstler, wie beispielsweise William Morris wurde das Entwerfen von Tapeten zur Lebensaufgabe. Andererseits sind viele Künstler vom Medium „Tapete“ als Bild- und Ornamentträger fasziniert, um dieses in der Kunst neu zu thematisieren, wie beispielweise Henri Matisse, Cyntia Carlson, Robert Gober, Elke Harrer, Olaf Nicolai und Kara Walker. Ebenso benutzen Filmemacher/innen, Musiker/innen und Schriftsteller/innen das Interieur „Tapete“ oder im gedanklichen Prozess den Tapetenwechsel als Metapher und meist doppeldeutig angedacht, wie Hildegrad Knef: „Ich brauch‘ TapetenwechselVom Zauber der Tapeten sprach die Birke und macht‘ sich in der Dämmerung auf den Weg ...“ und in dem Film „Tapetenwechsel“ von Emmanuel Mouret oder auch in der Geschichte von F. K. Ginzkey „Florians wundersame Reise über die Tapete“, auf der er im Traum in die weite Welt reist!

Die Homepage beinhaltet und reflektiert bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt meine künstlerischen Projekte mit Tapeten, beginnend mit Arbeiten aus der Zeit während meines Studiums der Freien Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar im Jahr 2002. Weiterführend werden Projekte gezeigt, die nach dem Studium entstanden sind. In diesem Kontext wird die Umsetzung des Projektes „Vom Zauber der Tapeten“ im Rahmen des Arbeitsstipendiums für zeitgenössische Bildende Kunst in Thüringen 2009 und des Stipendiums in der Graduiertenförderung des Freistaates Thüringen mit dem Thema: „Die Wand braucht ein Kleid!“ (2010) dokumentiert und ist gedanklich für nachfolgende Projekte, in denen ich mich mit dem Kommunikationsträger „Tapete“ auseinandersetzen möchte, angelegt worden.



© Vom Zauber der Tapeten - Peggy Schneider - Theaterstraße 76 - 09112 Chemnitz - Deutschland - E-Mail: info@vomzauberdertapeten.de