Zauber der Tapeten

„Spiegel-Trip“, Nr. I bis V, 2005-2010

Spiegel-Trip I Spiegel-Trip II Spiegel-Trip III Spiegel-Trip IV Spiegel-Trip V
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Ölfarbe mit Nadel gepunktet, Ölfarbe, Latex-Bindemittel und Flitter auf Pappe, 0,75 m x 1,05 m


Ich bin immer auf der Suche nach neuen individuellen Bildträgern sowie Materialien, welche Malerei in Bewegung halten und zu verschiedensten Assoziationen führen könnte.

„Manchmal fängt sie der Spiegel ein und hält sie fest. Fasciniert stehen sie davor. Sie sind versunken, abgetrennt von der Wirklichkeit und allein mit ihrem lieben Laster, der Eitelkeit. Denn wie sie alle anderen Laster bereitwillig ausbreiten vor Allen, so halten sie dieses eine geheim und verleugnen es selbst vor ihren besten Freunden“. ROSE SELAVY

In der künstlerischen Arbeit möchte ich dem Betrachter die Möglichkeit geben, die Bilder als Orte zu nutzen, um selbstkritisch sein Leben zu durchträumen. Man sinnt, jenseits von Raum und Zeit, in einer Art Selbst-Analyse, immer gegenwärtig, aber unser Gesicht ist nicht im Spiegel sichtbar. Die Spuren der Vergangenheit, verlorengegangene Träume, Bedürfnisse und Momente des Lebens sollen auf wundersame Art und Weise wieder Erwachen und Assoziationen auslösen. Das Bild als Ort wird als komplexes Visionsfeld der in sich geschlossenen Ebenen durch die Elemente und die Farbe gekleidet und gekennzeichnet und wird endend in einer harmonischen Form - dem Kreis ohne Anfang und ohne Ende, der in sich geschlossen ist - geordnet. Es ist kein Spiegel, worin das Gesicht des Betrachters direkt als Selbstbildnis sichtbar gemacht wird, sondern es ist ein Traumfinder, ein Traumpfad zwischen den Welten, ein Wegbereiter für die Reise ins Innerste, der Seele.

Die nuancenreiche verdichtete Bildoberfläche der verschiedenen räumlichen Ebenen soll, wie ein halbdurchsichtiger Nebel, zum Reisen in ein Land der Phantasien animieren. Traumhaft mit sehnsuchtsvollem Blick soll der Betrachter von der Serie „Spiegel- Trip“ berührt werden. Anhand der Serie „Spiegel-Trip“ (6 Bilder) möchte ich Farben und Ornamente experimentell thematisieren, analysieren und Geheimnisse, die in ihnen verborgen sind, erforschen.

In der künstlerischen Auseinandersetzung reizt mich die Vereinigung von Farbe und Ornament. Während der künstlerischen Arbeit bemerkte ich, dass ich die Spiegelwirkung verstärken musste. Bewusst nahm ich wegen ihres Reizes, neben der Pastellfarbe Rosa, Gold und Silber in meine Farbpalette auf (Spiegel-Trip Nr. I). Die Farbe Gold soll anregend, zugleich inspirierend und Silber neutral widerspiegelnd auf den Betrachter wirken. Bewusst setzte ich auf den Farbflächen Punkte mit einer Nadel, welche die einzelnen ornamentalen Gebilde miteinander verbinden. Wie beim Tätowieren der Haut schmücken sie die Oberfläche der Bilder. Interessant erscheint mir der Aspekt, dass ein Ornament nie für sich allein, sondern immer im Zusammenhang mit einem Gegenstand steht. Die Farbe und das Ornament kleiden den leblosen Stoff (graue Pappe).

Schon seit Urzeiten hat man sich mit Farbe beschäftigt, mit ihnen gelebt, sich mit ihnen verbunden, Erfahrungen mit ihnen gemacht und sie symbolisch hinweisend und ordnend eingesetzt. Wir empfinden und beurteilen Farbe, wir mögen sie oder wir lehnen sie ab - aber wir stehen immer in lebhaftem Zusammenhang mit ihr. Denn „am farbigen Abglanz haben wir das Leben“ (Goethe). Die Farbe und die Formelemente bestimmen die Kunst der Malerei, sie lösen Stimmungen aus.

„Sie läßt den leblosen Stoff zu einem kunstvoll gegliederten idealen Organismus zusammentreten, verleiht jedem Gliede ein ideales Sein für sich, und läßt es zugleich sich als Organ des Ganzen, als fungierend aussprechen. Sie umkleidet die nackte Form mit einer erklärenden Symbolik, die eben dahin geht, wonach beim Schmücken des Körpers gezielt wird, nämlich das gesetzliche Ebenmaß und den Charakter der Form nach allen Seiten zu betonen, dessen Glieder in ihrer Individualität und in ihrer funktionellen Beziehung scharf zu bezeichnen“. ¹

¹ Gottfried Semper, Über die formelle Gesetzmäßigkeit des Schmucks und dessen Bedeutung als Kunstsymbol 1856, 1987 für die Ausgabe by Alexander Verlag Gmbh, Berlin

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