Zauber der Tapeten

Fundobjekt „NIMM PLATZ“ oder „SETZ DICH DOCH“, 2003

Nimm Platz I Nimm Platz II Nimm Platz III Nimm Platz IV
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Lederkissen, Nähmaschinennadeln und verschiedene Garne
Ø 50 cm, h 30 cm


Tatort: Weimar.
Am Dienstag, den 12. November 2002.
Marienstraße 7.
Eine junge Passantin findet auf dem Sperrmüll ein braunes, ledernes Sitzkissen.
Es liegt in seiner kürbisähnlichen Form zwischen beschädigten Stühlen, zerschlagenen Anbauwandteilen und anderen ausgemusterten Einrichtungs- und Gebrauchsgegenständen. Liebevoll nimmt sich die Passantin des Schicksals des Sitzkissens an.

Leitgedanke:
„Kunst macht man aus Dingen die nicht mehr gebraucht werden.“

Die Fluktuation für das in der Gesellschaft vorgefundene, ausgemusterte Ding spielt bei diesem Objekt eine große Rolle. Das gefundene Sitzkissen ist ein Dokument unserer Gesellschaft.

Explizit ergriff ich die Möglichkeit, es seiner eigentlichen Verwendungsweise zu entziehen, es zu verändern und es als etwas Neues zu präsentieren. Mein Gedanke war, mit wenigen künstlerischen Eingriffen die Spuren der Zeit unsichtbar zu machen und den alten, jahrelang benutzten und wenig beachteten Gegenstand aufzuwerten sowie eine Reinigung von Hülle und Seele durchzuführen. Ich wollte den Betrachter zwingen, sich mit dem Objekt auseinander zu setzen und ihm Rätsel aufgeben. Das Objekt sollte so entfremdet werden, dass seine ursprüngliche Form und Aufgabe nur schwierig zu erkennbar waren: „Was könnte das nur gewesen sein? Oder was ist das eigentlich?“

Die Funktionsentfremdung des Fundobjektes erfolgte mit Hilfe von farbigen Garnen, die schon zu seiner Herstellung entschieden beitrugen. Durch die vielfarbigen Umwicklungen und durch das Verweben auf der Oberfläche veränderte sich das Objekt. Es wurde mit neuer Würde umgarnt. Die Farben des Garnes sollten das Objekt neu erstrahlen lassen.

Mit Hilfe der Nähmaschinennadeln (der Firma METWAR), die auf der Sitzfläche befestigt wurden, sollte nun endgültig die Funktion des Fundobjektes beseitigt werden. Jahrelang diente es zum darauf Sitzen, aber nun in seinem neuen Gewand, nach seiner Veränderung ist es alles andere als bequem und einladend. Nun setzt sich kein A**** mehr darauf. Man hat Respekt vor dem Objekt, jetzt kann es sich selbst schützen und steht unter dem Schutz der Kunst.

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