Zauber der Tapeten

„Das Bad“, 2003

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Ein Projekt von Peggy Schneider und Simone Seemann
Rauminstallation, Haus am Graben 41, Weimar


Diese Arbeit beruhte auf einem Zusammentreffen von Simone Seemann und Peggy Schneider. Bei dem Projekt das Bad zu gestalten, versuchte anfangs jeder auf seine eigene künstlerische Art und Weise, die Arbeit im Haus am Graben 41 aufzunehmen. Doch schon nach zwei oder drei Tagen intensiver Arbeit vermischten sich die zwei unterschiedlichen Arbeitsweisen. Es entstand eine Konversation zwischen Umwickeln, Verweben, Verflechten, Zerschlagen, Verstecken, Kombinieren von vorgefundenen Materialien im Haus und diversen Alltagsgegenständen. Ich sah die künstlerische Arbeit im Haus als eine Chance an, außerhalb meines bereits so vertrauten Arbeitsplatzes meine eigene künstlerische Arbeit und Herangehensweise auf eine ganz andere Art zu entdecken und weiter zu entwickeln. Ebenso war die Zusammenarbeit mit Simone, die Gespräche, der Austausch, ein wich­tiger Bestandteil für dieses Gemeinschaftsprojekt- der Ausgestaltung des Badezimmers.

Simone beschäftigte sich mit den erhaltenen DDR-Fliesen. Zwischen Zerstören und Erhalten der Fliesen setzte sie abstrakte Ornamente an verschiedenen Stellen im Raum. Zum Beispiel benutzte Simone die Blume auf den Fliesen als Anregung, um ein weitgefächertes Blumenornament aus den zahlreichen, von ihr zerschlagenen Fliesen an die Wand zu bringen. Das Fenster wurde von Simone eingewebt. Die Tür, die den Raum blockierte, wurde als ein Bild der vergangenen Zeit an die Wand montiert. Durch das reduzierte Setzen von Scherben, durch das Umwickeln der Tür als eine Art Bilderrahmen wurden die Spuren des abgeplatzten weißen Lackes mit wenigen künstlerischen Eingriffen aufgewertet.

In der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Raum im Haus waren für mich nicht nur die dort vorgefundenen Objekte (Wasserhähne, Dusche, Badewanne, Waschbecken...) wichtig, sondern auch das Verwenden und das Spiel mit den bereit liegenden und wenig beachteten Alltagsutensilien. Das Sammeln der Gegenstände, mit denen wir täglich Umgang haben, spielte dabei für mich eine wichtige Rolle, vielleicht auch um einen Teil der Gegenstände vor dem endgültigen Wegwerfen zu beschützen. GEBRAUCHT/ BENUTZT – WENIG BEACHTET – LEER – UND WEG DAMIT. Ich wählte Gegenstände, die jeder kennt. Den Fundus von gekauften, gebrauchten, geliehenen und von uns vorgefundenen Objekten (Tampons, Ohrenstäbchen, Zahnbürsten, Seife, Spiegel, leere Cremedosen, leere Shampooflaschen...) wollte ich mit Hilfe der Wickeltechnik ihrer Form und Aufgabe entfremden und in einer neuen Ästhetik erstrahlen lassen. Meist fand das Umwickeln mit bunten Garnen statt, um sie aus ihrer trostlosen Alltagswelt zu befreien.

Gut überlegt wollten wir ein Badezimmer entstehen lassen, bei dem uns unser eigenes Wohlbefinden und das des Betrachters am Herzen lag. Dabei sollte kein Stillstand aufkommen. Der wohlriechende Duft, der ziellos schwebend durch das Badezimmer irrte, sollte den Betrachter auf seiner Erkundungstour inmitten der zahlreichen Objekte, Wand-, Boden-, Decken- und Fensterinstallationen durch den Raum begleiten.

© Vom Zauber der Tapeten - Peggy Schneider - Theaterstraße 76 - 09112 Chemnitz - Deutschland - E-Mail: info@vomzauberdertapeten.de